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Für Verkaufszahlen über Leichen Deutschrap Disst sich in die Charts HipHop in Deutschland ist noch nicht so alt - noch in der Entwicklung. Battle, Dissen, Gewalt, Tod - das sind Dinge aus dem USA HipHop, das gibt es hier nicht. Hätte 1992 irgendjemand gedacht, dass die Fanta4 nach einer Live Performance von "Die Da?" von anderen HipHopern zusammen geschlagen werden? Nein, das konnte sich keiner vorstellen. 12 Jahre später geschieht genau das - mit Sido. DeutschRap entwickelt sich weiter - oder zurück. Das ist Ansichtssache.
Es gibt für alles einen Anfang, auch für den deutschen HipHop. Es begann mit Advanced Chemistry und den Fantastischen Vier in den 90er Jahren als diese ihre ersten kleinen verbalen Auseinandersetzungen hatten. Später kam das Rödelheim Hartreim Projekt hinzu und wirbelte die Sache auf. Das war der erste Beef im deutschen HipHop. "Man muss auch wirklich sehen, dass das damals auch alles wirklich mit einem lächeln war" - Moses Pelham Dann passierte lange nichts in Bezug aufs Dissen im deutschen HipHop. Jede große Stadt hatte ihre eigenen Acts, die sich aber weitesgehend in Ruhe ließen. Irgendwann Ende 1999 entwickelte sich dann in Berlin eine RapSzene, die es mit allen aufnahm, die ein Mikrofon in der Hand hatten. Meine persönliche Meinung ist, dass vor allem aus dem Berliner Royalbunker die ersten export- und öffentlichkeitstauglichen Berliner HipHop-Gruppen kamen, welches überhaupt ein Ohr in Deutschland fanden. Savas fehlte da natürlich nicht. Gerüchte über Beef zwischen SamyDeluxe und Savas hielten sich hartnäckig im Internet. Vereinzelt tauchten dort sogar selbst gemischte Diss Trackz von Savas gegen Samy Deluxe auf. Savas dementierte so ziemlich alles, was in diese Richtung ging. Singles wie "Lutsch mein Schwanz", "Pimplegioneah" oder "Schwule Rapper" ließen deutsche Rapper Mitte 2000 nach Berlin gucken. "Was passiert da? - Berlin! Krass." So die Meinung der Konsumenten. Am 26.08.2002 droppte Savas dann das Optik Mixtape Vol.I und sprang damit vom Underground auf die Bühne der MediaControl Charts. Er machte nun Musik für die breite Masse. EKO Fresh, aka Ekrem Bora, rappte fleißig mit und verdiente seinen Taler am Erfolg des selbst ernannten "King of Rap". Zusammen schoben die beiden "Optik". Auf Grund von persönlichen und künstlerischen Differenzen trennten sich die beiden und gingen eigene Wege. "Was erwartest du, weißt du was ich meine, von einem 19/20 jährigen oder 18/19 jährigen der gerade raus kommt so, weißt du was ich meine, ich hab halt so viel gemacht wie möglich, weißt du was ich meine, so" - EKO EKO stieg auf Popmusik um und versuchte damit Geld zu machen. Das war der Berliner Szene ein Dorn im Auge. Schnell war EKO als Feind von ganz HipHopBerlin ausgemacht. Der junge Mönchengladbacher ließ sich das nicht gefallen und droppte Anfang 2005 mit "Die Abrechnung" die erste richtige Verbalattacke gegen alle Berliner RapGrößen. Die Fronten waren nun geklärt... Kool Savas vs Eko HipHop Battle die Erste. EKO attakierte in seinem Track "Die Abrechnung"
alle Eckpfeiler des Berliner Rap Business - Savas, Sido, Bushido,
B-Tight. Damit erklärte er sich nun offiziell zum Freiwild auf der Battle-Bühne Berlin.
Die Ruhe vor dem Sturm. Alle warteten nur auf einen - den King of Rap.
Die Diss Tracks der anderen Berliner gingen im Donner von Savas´s "Das
Urteil" unter. Ein vernichtender Schlag, der zeigte zu was der King of
Rap fähig ist. Spricht man vom Dissen und Stress in Berlin, bleibt ein Label nicht außen vor. Aggro Berlin.Dessen Gründer und Mentor "Specter" bringt einen TopAct nach dem anderen. Hier wird nicht unbedingt mit Skillz oder Spitt-Qualitäten geworben. "Jeder Act sein eigenes Image", so ist das Konzept von Aggro Berlin. Sido bekommt die Maske verpasst, B-Tight ist der Neger, Bushido der Typ der aus dem Ghetto kam und Fler ist jetzt eben der deutsche Rapper. "Gewalt ist keine Ausnahme, in Berlin ja sowieso jeden Tag gängige Praxis" - so das Statement der Aggro Acts. Kaum jemand kennt die Musiker persönlich oder ist selbst in die Szene integriert. Schwer fällt es dementsprechend auch hinter die Kulissen der Gangsta-Rapper zu schauen. "Da gibt es immernoch genug Leute, die sich das nie trauen würden, oder die halt in keiner großen Stadt leben, und die natürlich dieses klassische Idealbild einer großen Stadt haben. Und die natürlich das irgendwie dankend annehmen, dass ihnen jemand diese Phantasie frei Haus auf ner CD irgendwie so in ihr kleines Kinderzimmer irgendwie liefert. Die, die sie selber vermeindlich nie ausleben können. Da geht es dann wahrscheinlich weniger um das Kriminell sein, sondern um diesen Mythos `große Stadt`". - André Langenfeld, Moderator, Berliner/Brandenburg Radio Fritz So kann man doch die Geschichte einiger Berliner Aggro Acts leicht mit der eigenen vergleichen, und fragt sich, warum DIE da so krass sind, und man selber ja nicht?! Woran liegt es, dass man selbst im eher vornehmen Berlin-Lichterfelde aufgewachsen ist, Klavierstunden genommen hat und bis zur 13. Klasse die Schule besuchte - ohne über sich behaupten zu können im Ghetto gewohnt zu haben und sich zum Überleben ständig schlagen zu müssen?! Sido vs Azad Der nächste Schritt - eine Grenze wird übertreten
Azad sprach in der Juice (Ausgabe 07/2004) die Realness des Berliner
Rappers Sido an, und behauptete, dass dieser nicht wirklich von der
Straße
käme und nicht so dick auftragen solle. Sido, der Mann mit der Maske,
übertrieb den Streit mit Azad allerdings und zog die Mutter des
Frankfurter Rappers mit in den Beef. Unmittelbar nach der Äußerung
"Hätte ich jetzt ein Bett hier, würde ich Azad´s Mutter mal richtig
durchficken!" während des Live Auftritts von Sido auf dem HipHop Open
2004
kam die Antwort von Azad.Diesmal wurde nicht verbal gefronted, sondern handfest die Meinung vertreten. Sido äußerte sich daraufhin mit der Ankündigung, dass es einen 1:1 Kampf zwischen den beiden geben würde - ohne Mikrofon. Der erste physische Schlagabtausch im Deutschen RapBizz, der ausschließlich Resultat von gegenseitiger Provokation mit Texten/Raps und Liedern war. Zumindest der Erste, der auf medienpräsenter Ebene passierte. Sido hat Größe bewiesen und sich öffentlich für die Beleidigung entschuldigt. Sido und Azad werden sicherlich nicht mehr die dicksten Homies, das ist klar, aber vielleicht bleiben sie ja in Zukunft bei ihrer eigentlichen Aufgabe: Musik machen. Das können sie! "Du kannst mit der Gewalt und mit der Angst spielen und so, und das macht man als Rapper auch gerne, weißt du. Aber genauso musst du auch irgendwann wissen wann Schluss ist, sonst wirst du abgeballert oder abgestochen, keine Ahnung. Und das ist auch auf jeden Fall Realität, Alter." - Fler |