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Biografie
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Image Seine ersten heftigen Berlin-Erfahrungensammelte er auf dem Spielplatz.»Eines Tages ging ich auf einen Abenteuerspielplatz. Ich war noch ein Kind und dachte, dort ist ganz normal chillen angesagt, doch sofort kam ein kleiner Türke an und sagte: 'Zeig mir deinen Penis!'«

Alles, womit er konfrontiert wurde, wirkte nur verrückt auf ihn. In Berlin kam er in die sechste Klasse, die dort noch zur Grundschule gehört, und mußte also noch ein Jahr zur Grundschule gehen, obwohl er schon in einer Realschule war. Plötzlich mauserte er sich ohne Kraft und Arbeit zu investieren zum Musterschüler und erhielt nur noch Einsen und Zweien.
»Das Niveau in der Berliner Schule war so niedrig. Die Schüler saßen mit den Füßen auf dem Tisch da. Als ich in die Klasse kam und gesehen habe, daß die Hälfte Ausländer waren, habe ich mir gesagt: »Was ist hier nur los?« Ich war in der Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg. Aus Aachen war ich was ganz anderes gewohnt. In Kreuzberg gab es auf dem Schulhof nur Boxereien. Neben unserer Schule befand sich eine Sonderschule. Dort waren die richtig kaputten Patienten, die nur zum boxen rüberkamen.«
Als er an die Hektor-Petersen-Gesamtschule kam, begann sich Savas verstärkt für Musik zu begeistern. Eine Zeit lang hing er mit Punks in besetzten Häusern rum und ging zu Demos. »Da habe ich dann angefangen, mit einem Kassettenrecorder auf Englisch, was gar kein richtiges Englisch war, rumzurappen.«
Mit seiner Tante, die in San Francisco wohnt, schrieb er seine ersten englischen Texte, die er Freunden vorrappte. So kamen bald Kontakte zu anderen Gleichgesinnten in seiner Gegend zustande. Gemeinsam mit seinem Kumpel Aydin begann er in der Naunynritze, einer Jugendfreizeitstätte in Kreuzberg, unter dem Namen »Rhyme Guns« (RGS) zu rappen. Die Gruppe entwickelte sich jedoch nicht weiter und zerfiel. Savas' musikalische Vorlieben waren damals Too Short und Comptons Most Wanted. »Eine Zeit lang klang ich wie MC Eight.« Die Platte »My Melody« von Islamic Force mit dem bereits verstorbenen Rapper Boe B. war für ihn der absolute Hammer. »Islamic Force habe ich vergöttert. Ich konnte nicht glauben, daß so was aus Berlin kommt.«

Später, als Skills für Savas immer mehr an Bedeutung gewannen, geriet er in den Proberaum, in dem auch Aliens In Effect probten. Dort lernte er Solo, Domain und Hype von Cheeba Garden kennen. »Hype hatte damals einen S 900er, mit dem er produziert hatte. Zu dieser Zeit nannte ich mich noch Juks. Wenn man anfangs dabei und noch nicht so gut ist, ist man immer von anderen abhängig, wenn aber andere Leute deinen Shit hören wollen, gewinnst du immer mehr Freiheiten dazu. Das ist das Beste, was einem bei der Musik passieren kann.«

Image Savas chillte mit den Leuten von CPS und begründete die Crew First League mit. Zu dieser Zeit arbeitete er noch viel mit DJ Hype zusammen, war später jedoch nicht mehr auf dessen Beats angewiesen, da er selbst mit eigener Vierspur und einem SampIer zu produzieren begann. »Ich würde auch jedem MC empfehlen zu lernen, eigene Beats zu machen. Das gehort einfach dazu.« Gemeinsam mit Ono hatte Savas einige Auftritte unter dem Namen Basic Elements. Diese Zeit bezeichnet er heute als den eigentlichen Beginn seiner Kreativität.
Im HipHop-Haus leitete er Rap-Workshops. Dort fand er Gefallen daran, in deutscher Sprache zu rappen. 1996 fuhr er mit Mel nach Oakland.
»Dort wohnten wir bei ein paar Rap-Pritzen und sind viel mit denen rumgezogen, in irgendwelche Radiostationen [...]. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch englisch gerappt, doch sie haben immer zu mir gesagt, daß ich auf Deutsch rappen soll. Ich habe schnell gemerkt, daß es nichts bringt, auf englisch zu rappen, wenn es Leute gibt, die es tausendmal besser konnen. Zwei oder drei Wochen später war ich mit dem HipHop-Mobil, mit FuManschu und SMC in LA. Als ich wiederkam, war ich ein deutschsprachiger MC.«
Image Kurz nach diesem Trip nach Amerika schuf er mit Justus und Fu Manschu den Song »Masters Of Rap«, der die Grundlage für den Crew-Namen »M. 0. R.« lieferte. Zu M. 0. R. gehören nun die Funk Füchse, Taktlos, Fuat, Mel, Derill, Jack und Ronald.
Über seinen weiteren Werdegang berichtet er: »Astrid Milewski wollte einen Film machen. Sie hat etwas mit SMC, Fuat und mir gemacht. Ihr habe ich ein Tape von mir gegeben. Darauf waren ein paar Songs von mir -»LMS«, »Schwule Rapper«, »Warum Rappst Du« und »Mehr als erwartet«. Das Tape hat sie Chris Maruhn gegeben, der es SO gut fand, daß er es überspielt und ein paar Leuten geschickt hat. Dazu zählten show-down, FourMusik und Peter von Put Da Needle To Da Record. Show-down und FourMusik fanden es anscheinend richtig ekelhaft. Eines Tages rief Peter von Put Da Needle an und schlug vor, sich einmal zu treffen. Als ich ihn fragte, wo er wohte, meinte er, er wohne in Aachen. Ich sagte: »Cool, meine Tante heiratet bald, da muss ich eh' nach Aachen.« So hat sich der Kreis geschlossen.

Image Ich war wieder inAachen und die Sachen kamen Schlag auf Schlag. Ich glaube, am zweiten Tag, nachdem ich Peter gesehen habe, haben wir das STF-Stück »Ihr müsst noch üben« aufgenommen, wodurch die Leute, als es erschien, erstmals richtig auf mich aufmerksam wurden.«
Ältere Songs wie »LMS« und »Schwule Rapper« wurden nochmals richtig aufgenommen...
Das »Maskulin-Tape« mit Taktlos betrachtet Savas heute als einen seiner entscheidendsten Schritte. »Es war ein Konzept-Album mit düsteren, computermäßigen Beats und asozialen Raps. Das ist für mich kein Rap-Album, von dem ich sage, es sollte irgendwelche Maßstäbe setzen. Es war für uns und unsere Homies gemacht. Die Flows waren natürlich O.K., doch wir wollten auch ein bißchen asozial sein. Wir wollten nicht unbedingt provozieren und hatten einfach Spaß an dem, was wir taten. Wir haben bei Taktlos in dieser grauen Wohnsiedlung gechillt. Wir haben nur gemacht, worauf wir Lust hatten. Wir haben ein Album aus Spaß gemacht. Für die anderen Leute war das natürlich schon ganz was Neues. Was ich schade finde, ist, daß es den Leuten auch gar nicht um die Musik ging, sondern darum, daß wir viel »Ficken« und »Fotze« gesagt haben. Dies ist aber nicht das, worauf ich als MC reduziert werden will. Das Einzige, worauf die Leute bei mir achten, sind nicht meine Skills, sondern wenn ich »Lutsch meinen Schwanz« sage.«
Savas will gesehen werden und möchte, daß Leute wenigstens einmal zu seiner Show kommen. Es geht ihm um nichts anderes als Vielseitigkeit beim MCing. »Mein Genre ist Battle-Rap und das versuche ich so gut wie möglich zumachen. Ich versuche kein Pimp-Rapper zu sein.

Image Von 1996 bis 1998 habe ich nur über Fotzen geredet und irgendwann hatte ich darauf keinen Bock mehr. [...] Es ist auch viel passiert. Was mich am deutschen HipHop stört, sind diese Geschäftsmänner, diese abgebrühten Typen, die in ihren Hip-Hop- Büros sitzen, alles managen und im Griff haben, aber ansonsten über keine Skills verfügen. Diese Typen, die natürlich ihr Business machen können, sollen ein paar Meilenstein-Albenmachen, wie es Dr. Dre tat. Danach können die sich dann zur Ruhe setzen und chillen und ihre Studios eröffnen. Ich finde die einfach albern. Das ist in Deutschland bestimmt auch deshalb so, weil die Deutschen ein typisches Büro- und Arbeitsvolk sind. In erster Linie geht es nur um die Skills. Es gibt in Deutschland vielleicht dreißig tighte Rapper und viele schlechte, untighte. Auf der anderen Seite gibt es wieder das Problem, das viele Underground-Heads ihre MCs geil finden wollen, ihnen aber nichts gönnen. Solange etwas gut ist, kann es von der kommerziellsten oder undergroundigsten Person sein. Wenn etwas gut ist, ist es gut. Wenn etwas scheiße ist, ist es scheiße. Es gab bei deutschem Rap eigentlich nie etwas, was ich mir wirklich anhören wollte. Das wird jetzt langsam anders.« MCs wie Tone, Azad, Creutzfeld & Jakob, SMC und M. 0. R sind in seinen Augen die Hoffnungsträger des deutschsprachigen HipHop...






ImageAus: "Bei uns geht einiges"
von Sebastian Krekow, Jens Steiner
Broschiert - Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3896023292






 
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